Willensleistung: Löwen punkten in der Nachspielzeit.
Die Löwen sind beim 1:1 gegen die U23 des VfB Stuttgart noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Mit einer Energieleistung konterten sie in der 7. Minute der Nachspielzeit die Führung durch Mirza Catovic (25.). Der eingewechselte Sigur Haugen erzielte den vielumjubelten Ausgleich. In einer hochemotionalen Partie hatte Schiedsrichter Cengiz Kabalakli den Sechzgern mindestens einen Elfmeter versagt.
Personal: Trainer Patrick Glöckner musste gegen die U23 des VfB Stuttgart verletzungsbedingt auf Morris Schröter und Kilian Jakob verzichten. Erkrankt fehlte Manuel Pfeifer. Nicht im 20er-Kader standen die beiden Torhüter René Vollath und Miran Qela sowie Emre Erdogan, Philipp Maier und Lasse Faßmann, die am Abend zuvor in der U21 gegen Türkgücü Spielpraxis sammelten.
Spielverlauf: Den ersten Torschuss hatten die Gäste in der 4. Minute. Nach schnellem Umschaltspiel kam Jordan Majchrzak halbrechts im Strafraum zum Abschluss, scheiterte aber mit seinem Schuss an Thomas Dähne. Bei einem 25-Meter-Freistoß von Tunay Deniz, der gefährlich aufsetzte, hatte Stuttgarts Schlussmann Florian Hellstern Probleme, konnte den Ball aber letztlich zur Seite abwehren (8.). Gefährlich wurde es in der 17. Minute vorm Löwen-Tor, als Sean Dulic am Fünfmeterraum eine Hereingabe aus dem linken Halbfeld durch Leno Meyer vor dem hinter ihm lauernden Mohamed Sankoh nur ins eigene Tor-Aus klären konnte. Beide Teams spielten sehr konzentriert, versuchten Fehler zu vermeiden. Zweimal wurden die Schwaben nach Ecken gefährlich, einmal klärte Verlaat in Bedrängnis, dann musste Dähne den Ball wegfausten. (20.). In der 22. Minute forderten die Sechzger vehement Elfmeter, als Alexander Groiß den in den Sechzehner eindringenden Thore Jacobsen zu Fall brachte, doch Schiedsrichter Cengiz Kabalakli ließ weiterspielen. Nicht unbedingt überraschend gingen die Gäste nach einem Standard in Führung. Meyer flankte aus halblinker Position einen Freistoß in die Mitte, der eingelaufene Mirza Catovic kam relativ unbedrängt an die Kugel, köpfte sie unhaltbar für Dähne zum 1:0 ins linke Eck (25.). Es folgte eine Phase, in der der Unparteiische etwas seine Linie verlor, fast jeden Körperkontakt als Foulspiel wertete und einige Karten zückte. Erneut verweigerte er den Sechzgern einen Elfmeter, als Groiß Florian Niederlechner zu Fall brachte. Im direkten Gegenzug hätten beinahe die Schwaben das 2:0 nachgelegt, doch der zurückgeeilte Verlaat konnte am eigenen Fünfmeterraum ein Zuspiel von Sankoh gerade noch zur Ecke klären (35.). Die Partie wurde durch die Entscheidungen des Schiedsrichters immer emotionaler, die Löwen taten sich schwer, die Kontrolle über die Partie zu finden. Nach einer abgewehrten Ecke vorm VfB-Tor verlor Tim Danhof als Absicherung an der Mittellinie den Ball, Sankoh lief Richtung 1860-Tor, der zurückgeeilte David Philipp konnte ihn noch auf die Seite abdrängen, so dass sein Schuss aus neun Metern am linken Außennetz landete (43.). Im Anschluss an eine Ecke kam Kevin Volland auf Höhe des Elfmeterpunkts zum Abschluss, sein Schuss wurde jedoch geblockt (45.). Fünf Minuten setzte Schiri Kabalakli in der 1. Halbzeit, in der er sechsmal Gelb gezückt hatte, obendrauf. Eine von links direkt aufs Tor gedrehte Ecke konnte Hellstern gerade noch über die Latte lenken (45.+7). Der erneute Eckball wurde ebenfalls noch ausgeführt. Diesen brachte Jacobsen von rechts an den ersten Pfosten, wo Volland im Luftkampf gegen den VfB-Keeper nicht an den Ball kam. Direkt danach war Pause.
Es waren keine 30 Sekunden gespielt, da gab’s die nächste knifflige Szene im Strafraum. Niederlechner war im Fünfmeterraum zu Fall gekommen, doch wieder blieb der Elfmeterpfiff aus (46.). Im Anschluss an eine Ecke schloss Verlaat an der Strafraumkante ab, zielte aber knapp über die Querlatte (47.). Nach einer Rechtsflanke von Danhof kam Maximilian Wolfram am zweiten Pfosten Zum Kopfball, traf aber nur die Latte. Mit Glück bekamen die Schwaben die anschließende Situation geklärt (52.). Die Löwen machten jetzt Druck, den Stuttgart immer wieder durch Fouls zu unterbinden versuchte. Eine scharfe Hereingabe von Danhof verpasste Volland am kurzen Eck um Zentimeter (57.). Auf der anderen Seite kam Groiß im Anschluss an einen weiten Einwurf aus dem Getümmel zum Abschluss, sein Schuss ging aber weit übers 1860-Tor (58.). Einen 14-Meter-Schuss von Niederlechner konnte Ex-Löwe Michael Glück in der 63. Minute gerade noch blocken. Hellsterns Faustabwehr nach einem Eckball von links durch Maximilian Wolfram misslang, aber Dulic konnte das nicht nutzen (66.). Verlaat kam nach einer Hereingabe von rechts durch Danhof am ersten Pfosten zum Kopfball, köpfte die Kugel aber am kurzen Eck vorbei (67.). Nach einer Freistoßvariante schloss Volland ab, doch der Ball kam zu zentral auf den VfB-Keeper, der damit kein Problem hatte (72.). Die Löwen initiierten Angriff auf Angriff, Stuttgart konnte sich kaum noch befreien. Aufatmen bei den Gastgebern, als der Schiedsrichter gegen Philipp, der zur Absicherung nach einer Ecke im Rückraum stand, kein Foul pfiff. Der VfB konterte in Drei-gegen-Eins, vergab die Chance aber kläglich (75.). Das hätte die Vorentscheidung sein können! Auch in der Folge war es ein Spiel auf ein Tor, doch irgendwie wollte das Spielgerät nicht über die Linie. Sieben Minuten gab’s in der 2. Halbzeit Aufschlag. Ball um Ball flog in den Strafraum. In der 7. Minute wurden die Löwen endlich belohnt. Verlaat legte per Hacke auf Sigurd Haugen ab, dessen Schuss aus acht Metern wurde vom eigenen Mann geblockt, die Kugel fiel im erneut vor die Füße, diesmal drosch er sie hoch ins linke Eck zum 1:1 (90.+7). Kurz danach war Schluss und die erste Saison-Niederlage dank einer Willensleistung abgewendet.
TRAINERSTIMMEN
„Die 1. Halbzeit ist an den VfB gegangen“, musste Löwen-Chefcoach Patrick Glöckner ehrlicherweise konstatieren. „Trotz ihrer Jugend haben sie sehr abgezockt gespielt.“ Es sei aber auch aufgrund der Leistung von Schiedsrichter Cengiz Kabalakli, der im Grünwalder Stadion sein Drittliga-Debüt gab, kein Spielfluss zustande gekommen. „Wir haben viele Gelbe Karten gesehen. Es war mit Sicherheit keine Glanzleistung“, attestierte er dem Unparteiischen. Ihm hätte die Souveränität gefehlt. Glöckner kritisierte aber weniger Kabalakli, als vielmehr die Ansetzung. „Man sollte darüber nachdenken, ob er sein Drittliga-Debüt ausgerechnet hier vor 15.000 Zuschauern feiern muss!“ In der Pause nahm der 1860-Trainer Umstellungen vor, passte einige Dinge an. „In der 2. Halbzeit haben wir mehr Mut gezeigt, mit offenem Visier gespielt, das Spiel übernommen und Torchancen kreiert.“ Man müsse der Mannschaft die „sensationelle Moral“ zugutehalten, „dass sie bis zum Schluss daran glaubt, den Gegner in die Knie zwingen zu können – auch wenn es erst in der 97. Minute ist. Deswegen freue ich mich heute über den Punkt, auch wenn wir den Anspruch haben, unsere Heimspiele zu gewinnen.“
VfB-Coach Nico Willig war rundum zufrieden mit der Leistung seines Teams. „Ich freue mich über den Punkt in diesem Hexenkessel. Meine blutjunge Mannschaft, die keine Verstärkung von den Profis hatte, hat sich gut ins Spiel gekämpft. Vielleicht hätten wir noch das 2:0 nachlegen müssen.“ Die 2. Halbzeit sei dann ganz klar an die Sechzger gegangen. „Da hat nur noch eine Mannschaft gespielt. 1860 hatte 16 Eckbälle. Ich bin froh, dass erst durch den Sechzehnten das 1:1 gefallen ist“, sagte er mit einem Grinsen.
STENOGRAMM, 4. Spieltag, 30.08.2026, 14 Uhr
TSV 1860 München – VfB Stuttgart II 1:1 (0:1)
1860: 21 Dähne (Tor) – 25 Dulic, 4 Verlaat, 3 Voet – 2 Danhof, 36 Deniz, 5 Jacobsen, 30 Wolfram – 31 Volland – 7 Niederlechner, 8 Philipp.
Ersatz: 40 Bachmann (Tor) – 9 Steinkötter, 13 Christiansen, 16 Reinthaler, 20 Althaus, 22 Haugen, 34 Hobsch, 37 Schifferl, 41 Lippmann.
VFB II: 1 Hellstern (Tor) – 24 Olivier, 6 Groiß, 29 Nothnagel, 16 Meyer – 8 di Benedetto, 5 Catovic – 30 Majchrzak, 10 Sessa, 11 Korkut – 44 Sankoh,.
Ersatz: 33 von der Felsen (Tor) – 2 Amaniampong, 4 Herwerth, 13 Köhler, 18 Lüers, 19 Freßle, 21 Bujupi, 27 Ouro-Tagba, 35 Glück.
Wechsel: Christiansen für Deniz (46.), Hobsch für Jakobsen (70.), Haugen für Voet (86.), Schifferl für Philipp (88.) – Bujupi für di Benedetto (46.), Ouro-Taghba für Sankoh (56.), Glück für Olivier (56.), Luers für Majchrzak (67.), Herwerth für Korkut (78.).
Tore: 0:1 Catovic (25.), 1:1 Haugen (90.+7).
Gelbe Karten: Jacobsen, Niederlechner, Volland, Deniz, Verlaat – di Benedetto, Nothnagel.
Zuschauer: 15.000 im Grünwalder Stadion (ausverkauft).
Schiedsrichter: Cengiz Kabalakli (Gelsenkirchen); Assistenten: Philipp Hofheinz (Niefern), Niklas Simpson (Ickern); Vierter Offizieller: Felix Grund (Haidlfing).
Presseschau:
https://www.tsv1860.de/de/news…kten-in-der-nachspielzeit
https://www.kicker.de/muenchen…liga-5057367/spielbericht
https://www.br.de/nachrichten/…-minute-ausgleich,UvLfihh
https://www.tz.de/sport/1860-m…tgart-ab-zr-93909171.html
https://www.tz.de/sport/1860-m…-im-live-zr-93908960.html
https://www.abendzeitung-muenc…bzeit-spielstand-0-1-613/
https://www.abendzeitung-muenc…minute-loewen-art-1077769
PK nach den Spiel gegen VfB Stuttgart II:
Nächstes Spiel:
Liveticker für das Spiel gegen FV Illertissen:
https://www.fupa.net/match/fv-…v-1860-muenchen-m1-250906