Freitag, 4.40 Uhr: Mein Wecker reißt mich aus den Träumen. Also fertig
machen, noch die letzten Kleinigkeiten einräumen, zum Beispiel die Cam, die
gerade aufgeladen wurde. Dann die Tasche nehmen und auf den Roller schwingen
und zum Flughafen fahren. Kein Problem, denkt man. Aber: es war so neblig,
dass ich auf der kurzen Fahrt klatschnass wurde. Zudem waren die Straßen
schmierig und ich musste langsam vor mich hin zuckeln. Zwei Minuten vor
Check-In-Schluss erreichte ich meinen Schalter und wurde mit den Worten
empfangen, dass man schon auf mich warte. Ich solle mich beeilen, das
Flugzeug sei startbereit. Ich renne hoch die Treppen zur Security und sehe
Schlagen. Ich geh hin und mit einem "Mein Flugzeug wartet schon auf mich,
dürfte ich bitte ausnahmsweise nach vorne?". Der Dritte fragt "Wohin wollen
Sie denn?". Ich sage London und alle, die ich bereits hinter mir gelassen
habe stellen fest, dass wir das gleiche Flugziel haben. Also wieder nach
hinten und brav anstellen. Check kein Problem, dann erst mal Relaxen im
Flugzeug. Ich liebe Fliegen, also kein Problem. Sonnenaufgang über den
Wolken ist übrigens auch nicht schlecht.
Um 6.50 Uhr Ortszeit war ich dann in London und wollte mein Auto holen bei
Sixt. Aber.... Sixt gibt es am Flughafen nicht. Ich schaue auf meine
Reservierung und sehe, dass dort Stansted steht. Da bin ich ja. Nun, okay,
als ich den Stand partout nicht finden kann, frag ich mal bei der Polizei
nach, die da so rumsteht. Sie erzählen mir, dass Sixt hier keinen Desk hat
sondern es einen Transfer zur Niederlassung gibt, der am Busbahnhof startet.
Hätte Sixt mir das nicht mitteilen können? Naja, gut, ich gehe zum Transfer
und stehe und stehe und stehe. Dann kommt endlich ein Sixt-Kleinbus mit
Leuten an Bord, die gerade zum Airport gebracht werden. Der Fahrer wusste
nicht mal, dass er mich mitnehmen muss. Irgendwie wurde ich anscheinend
halbwegs vergessen. Naja, er hat mich aber mitgenommen und ein Auto hab ich
auch bekommen, einen VW Polo.
Dann fuhr ich erst mal nach Eversley zu meiner Unterkunft. Da Staus
angezeigt waren, dachte ich mir, ich bin mal schlau, und fahr andersrum auf
der Ringautobahn um London rum. Was ich nicht wusste ist, dass ein
Teilabschnitt mautpflichtig ist. Ich hatte noch kein englisches Geld geholt
und musste Maut zahlen. Die Dame erklärte mir freundlich, dass sie auch Euro
nehmen und dachte sich wahrscheinlich "Schon wieder so ein Idiot". Als
Gegenleistung bekam ich eine Brücke über die Themse, ähnlich der
Köhlbrandbrücke in Hamburg. Geile Sicht, das eine Pfund auf jeden Fall wert.
Danach verlief alles reibungslos, links fahren ist sowieso kein Problem,
aber das wusste ich ja vorher schon. Bei meiner Unterkunft angekommen, gab
es erst mal ein extra zubereitetes Frühstück. Dann ein wenig unterhalten mit
Ilse (mir aus vielen früheren Urlauben bereits bekannt und vertraut und lieb
gewonnen). Anschließend entschied ich mich gegen eine Runde Schlaf und für
eine sofortige Fahrt nach Bristol. Auch diese Fahrt verlief ohne Probleme,
auch die Wegbeshreibung der Rovers war recht gut und ich fand das Stadion
sofort. War allerdings viel viel viel zu früh da. Es war grad mal 13 Uhr und
ich bereits dort, Anpfiff sollte um 19.45 Uhr sein. Also erst mal durch die
Straßen laufen, bisschen Sightseeing. Naja, ehrlich gesagt gab es nicht so
viel zu sehen. Ne Menge indischer Kleinrestaurants, ein paar Wäschereien und
ein Supermarkt. Ich suchte ne Weile nach nem Geldautomaten und holte mir mal
100 Pfund. Rein in den Supermarkt und ein Sandwich (wie ich diese Teile
liebe) und was zu trinken geholt und dann zurück zum Auto zum Verstauen.
Dann wollte ich zwei Kirchen besichtigen, die von außen ganz nett aussahen,
aber verschlossen waren.
Naja, okay, also bin ich zum Stadion und hab mir das Teil mal in Helligkeit
von Innen angesehen. Hab mir dann auch im Shop gleich mein Ticket geholt und
nen Pin mitgenommen. Dann bin ich auf die Tribüne gegangen und hab Fotos
gemacht und bin so halb ums Stadion rumgelaufen. Dummerweise hatte ich
anschließend immer noch ca 4,5 Stunden zu überbrücken. Dann kam ich auf die
Idee, im Auto ein wenig zu schlafen. Ich parkte im Wohngebiet in einer
kleinen Straße. Allerdings war da so viel Fußgängerverkehr, dass an Schlaf
nicht zu denken war - hab mich zu beobachtet gefühlt. Zumindest konnte ich
aber noch ein bisschen ausruhen. Eineinhalb Stunden vor dem Spiel machte ich
mich wieder auf und woltle Fish and Chips essen. Die beiden Läden, die das
anboten, gefielen mir aber nicht so gut, so dass ich beschloss, im Stadion
zu essen. Eigentlich ja sowieso Pflicht. Also zum Stadion, Programmheft
gekauft und drauf gewartet, dass die Tore geöffnet werden.
In einem anderen Bericht hab ich gestern die Umschreibung "klaustrophobische
Turnstiles" gelesen. Und ich kann dem nur zustimmen. Immerhin waren die
Eingangskontrollen aber recht lasch, so dass ich meinen Foto problemlos mit
rein bekam. Das Stadion füllte sich erstaunlich früh. Dazu muss man sagen,
dass ein großer Teil des Runds noch Stehplätze hat, flächentechnisch ca die
Hälfte. Ich befand mich auf eben solchen, auf der Uplands Terrace.
Gegengerade unten, über uns die Sitzplätze. Rechts von mir eine komplette
Stehplatzseite, das Blackthorn End. Dort fanden sich auch die "Harten" ein,
die schon vor dem Spiel und auch durchgehend sangen. Insgesamt waren 7173
Zuschauer da, und ich finde, für dritte Liga ist das gar nicht so schlecht.
Zumal die Stimmung wirklich gut war. Gegner Scunthorpe kam mit zwei
Reisebussen, war allerdings nur ein wenig beim Torjubel zu hören, Support
gab es nur von den Heimfans.
Vor dem Anfpiff holte ich mir dann ein handmade Cornish Pastie. Vorher
wusste ich nicht wirklich, was das ist. Danach wusste ich, dass es ein
ziemlich triefendes Etwas ist, ein Teig, der sich anfühlte wie eine Mischung
aus Mürbeteig und Blätterteig, gefüllt mit Kartoffeln, ein wenig Hackfleisch
und unidentifizierbarem Gemüse. Geschmacklich nicht wirklich der Burner.
Relativ langweilig.
Das Spiel an sich war nicht besonders gut, aber ich hab auch schon
schlechtere gesehen. Die Durchschlagskraft im Angriff ließ mal wieder zu
wünschen übrig, besonders der so hochgejubelte Jo Kuffour hat mich ziemlich
enttäuscht. Ca Mitte der ersten Hälfte fiel dann das erste Tor nach einem
Freistoß, nachdem zuvor nach Freistoß schon mal Alu getroffen wurde. Das Tor
fiel allerdings für Scunthorpe, die dann auch mit einer 1:0-Führung in die
Pause gingen. In der zweiten Hälfte verstärkten die Rovers dann den Druck
und kamen auch zum Ausgleichstreffer per Kopf. Jedoch schon zehn Minuten
später stellte Scunthorpe die Führung wieder her. Kurz danach wurde auch
endlich Kuffour ausgewechselt, doch auch sein Ersatz brachte nichts
Zählbares mehr. Die Rovers verloren also das Spiel mit 1:2. Drei Tore, ein
tolles Stadion, 90 Minuten Nieselregen überlebt (fast eher Sprühregen),
nette Gesellschaft, geile Stimmung. War okay. Danach hieß es aber ab ins
Auto und zurück as fast as possible. Erstaunlich schnell kam ich durch,
brauchte nur 1,5 Stunden für die Strecke (ohne zu schnell zu fahren,
zumindest nie mehr als 10 mph). Es war einfach wunderbar leer. Um Elf lag
ich also im Bett und begann, tief und fest zu schlafen. mnachdem ich
aufgegeben hatte, darüber nachzudenken, warum die Rovers sich GAS nennen.
Am nächsten Morgen wachte ich ohne Wecker auf, scheinte also ausgeschlafen
zu haben. In Ruhe geduscht und gefrühstückt (herrlich, dieses Frühstück bei
Ilse, hat einfach was von Tradition, seit ich vor 10 Jahren zum ersten Mal
dort war, läuft es immer gleich ab). Dann unterhielten wir uns noch ne Weile
über alle möglichen uns beiden Bekannten und anschließend fuhr ich nach
London.
Dort halte ich es immer so, bis Kew Gardens mit dem Auto zu fahren, weil man
dort kostenlos parken kann und Tube-Zugang hat und außerdem die Anfahrt
dorthin easy ist. Vorausgesetzt, England spielt nicht im Twickenham Rugby
Ground gegen Australien. Sold Out. Ich muss aber da dran vorbei. Ich stand
im Stau - ewig. Das Dumme daran war eigentlich nur, dass ich so dringend auf
die Toilette musste. Es gab aber keinerlei Haltemöglichkeit. Absolutes
Halteverbot und überall Polizei an den Gehwegen, die für Ordnung rund ums
Rugby sorgen sollten. Und voran ging es auch nicht. Bei der ersten
Möglichkeit furh ich ab, nach bereits ca 10 Meilen Stau, hielt an einer
Tankstelle, aber die hatten keine Toilette. Also weiter, ins Industriegebiet
und zwischen Firmenmauer und Gebüsch endlich befreit... dann endlich weiter
nach Kew, denn Twickenham war damit auch hinter mir gelassen. Dort parkte
ich und fuhr mit der U-Bahn, bis ich durch ein Passantengespräch zufällig
erfuhr, dass die Strecke nur teilweise befahren ist wegen Raparaturarbeiten.
Naja, ich dachte, das sei nicht so schlimm, ich könne den Teilabschnitt ja
mit der Circle Line fahren. Doch dann musste ich feststellen, dass die
leider völlig außer Betrieb war. Naja, macht ja nichts, dann nehme ich halt
einen etwas größeren Umweg mit der Jubilee Line in Kauf. Denkste. Außer
Betrieb. Gut, zum Glück gibt es so viele U-Bahnen in London. Ich plante
also, mit der Northern Line zu fahren und dann in die Hammersmith
umzusteigen. Doch dann las ich: kein U-Bahnverkehr zwischen Liverpool Street
und Barking. Es war zum Haare raufen. Ich war froh, dass ich mich auskenne
und fand ne andere Möglichkeit, mit der Central Line. Gut, das System ist
alt und marode, aber muss man alle Linien gleichzeitig machen? Durch den
Stau und die Bauarbeiten war ich schon recht knapp dran und das noch
geplante Kulturprogramm musste entfallen. Ich kam aber absolut pünktlich
eine Stunde vor dem Spiel am Stadion an, enterte den Shop und ging fast
rückwärts wieder raus, so voll war es dort. Dann ging ich durch die
klaustrophobischen Turnstiles (das klingt toll) und nach oben. Dort suchte
ich meinen Eingang zur Tribüne NU3. Die gibt es im Übrigen nicht, auch wenn
sie auf meiner Karte stand. Ich musste den Eingang N12 oder N13 nehmen und
direkt da war dann auch mein Platz. Oberrang, zentral hinter dem Tor. Sehr
gute Sicht. Voll war es natürlich noch nicht. Also ging ich auch nochmal
raus und holte mir: Cornish Pie. Diesmal fabrikgemacht und deutlich besser.
Ich wollte nen Vergleich und hatte ihn. Das Ganze kann also auch gewürzt
schmecken und das Gemüse darin kann man auch erkennen. Es waren Erbsen,
Karotten und Kartoffeln. Die Cola gab es in der Plastikflasche, was mich
sehr gewundert hat.
Das Stadion wurde auch gut voll (32328 Zuschauer) und die Stimmung war
richtig geil. Portsmouth war direkt unter meiner Tribüne, und die machten
herrlich Rabatz. Von gegenüber und nebenan und um mich rum kam die Antwort.
Es war einfach geil. Die Atmosphäre macht mir beim dran Denken noch
Gänsehaut. Was mir am Stadion besonders gefiel ist, dass es so steil ist. Es
sieht viel größer aus, als es eigentlich ist, da es sehr hoch ist. Natürlich
ist es ein All-Seater.
Das Spiel muss ich aber sagen war ein Graus. Nicht nur dass es torlos
endete, es war auch einfach nicht gut. Zu wenig über die Flügel, zu langsam.
Erinnerte mich schon fast an die Bundesliga. Langsam und hin und her
schieben. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch.
Nach dem Spiel beeilte ich mich, um mich an der Bahn mit Franzi zu treffen,
die grad als Au-Pair in Cobham ist (das ist dort, wo ne Menge
Chelsea-Spieler wohnen, deren Trainingsgelände nur paar Meter entfernt ist).
Ich hab mir noch schnell nen Pin an einem Stand geholt und dann fast
gerannt. Beeilen war aber nicht drin, denn alle Fußgänger, die in die
Station wollten, wurden umgeleitet. Und zwar eine komplette Straße entlang
und dann auf dem abgesperrten Geweg wieder zurück. An sich nicht unsinnvoll,
nicht alle auf einmal in die relativ engen Stationen zu lassen, aber mich
hat das 40 Minuten gekostet, die Franzi schon auf mich wartete. Wir fuhren
dann gemeinsam Shoppen. Hatte ich zumindest vor. Ich war im World of
Football, das gar nicht mehr so heißt, aber immer noch ne Menge Zeug hat.
Was ich wollte, wusste ich nicht so genau. Tausendfüßlerschuhe in gelb,
grün, blau oder so. Aber das gabs nur in normalen Farben. Ausgefallene
Farben gab es nur mit Stollen. Die kann ich aber in der Halle nicht wirklich
gebrauchen. Also vielleicht ein Trikot. Aber die waren alle schweineteuer.
Also wieder raus, dann eben nicht shoppen.
Ab nachhause, denn Ilse wartete schon mit dem Abendessen. Danach noch lange
unterhalten und um halb Zwölf ins Bett.
Am Sonntag fuhr ich dann nach Cobham und traf mich nochmal mit Franzi. Ich
kaufte bei Waitrose noch schnell allerlei Zeug, denn das Geld fürs Shopping
hatte ich ja noch in der Tasche. Tee in Massen für allerlei Freunde und
natürlich mich selbst etc. Dann gingen wir nen Latte trinken und wollten in
nen nahe gelegenen Park. Wir hatten noch ca eine Stunde Zeit und der Park
soltle 6,50 Pfund Eintritt kosten. Wir entschieden uns dann dagegen und
machten uns lieber auf in den Pub, um dort Mittag zu essen. Anschließend
fuhr ich wieder um London rum, um über die Brücke zu kommen. Worauf ich bei
der Hinfahrt nicht geachtet hatte: die Brücke geht nur in eine Richtung. In
die andere handelt es sich um einen Tunnel. Also fuhr ich auch noch unter
der Themse durch. Frühzeitig am Flughafen angekommen gab ich das Auto ab und
checkte ein, durch die Sicherheitskontrollen und ab zum Gate. Dort hatte ich
noch vier Stunden Zeit, aber ich liebe Flughäfen, auch wenn Stansted so blöd
umgebaut wurde, dass man nicht mehr die ganze Bahn im Blick haben kann. Von
meinen letzten Münzen holte ich mir ein Sandwich für Montag in der Arbeit
und wartete. Mit etwas Verspätung wurde dann geboarded und anschließend
gings wieder zurück im alten Airbus. Der Hinflug hat mir rein
flugzeugtechnisch besser gefallen. Die Sicht auf dem Rückflug war aber geil.
Nur überm kurzen Kanalstück waren Wolken. Ansonsten Lichter noch und nöcher.
Pünktlich um 23.20 Uhr waren wir wieder in Nürnberg und ich schwang mich auf
den Roller und fuhr nachhause.